Kurt Andersen ist mit "Neuland" ein prächtiges Zeitmosaik gelungen, das uns über faszinierende Charaktere das Revolutionsjahr 1848 in Europa und den USA nahe bringt. Das Buch ist so spannend geschrieben, dass es trotz seiner 900 Seiten niemals eine Phase gibt, wo man es liegen lassen möchte. Im Gegenteil: die Schicksale der vier Hauptpersonen werden gekonnt verknüpft - es ist ein Vergnügen ihnen auf ihren Wegen zu folgen, auch wenn sich haarsträubende Dinge abspielen.
Andersen schafft es beeindruckend, den Zeitgeist dieser Jahre so real zu beschreiben als stecke man selbst mitten drin. Charles Darwin, Edgar Allen Poe und zahlreiche andere reale Personen treten wie selbstverständlich am Rande der Handlung auf. Darwin als furzender Gast bei einem Dinner von Benjamin Knowles geschäftstüchtigem Vater, der Benjamin den letzte Impetus gibt, seine Pläne nach Amerika auszuwandern, auch wirklich in die Tat umzusetzen. Poe als Vortragender in New York, der den Journalisten und Fotografen Timothy Skaggs mit seiner schrägen Weltsicht beeindruckt.
Doch es braucht diesen realen Aufputz gar nicht, um die Story in Gang zu halten. Dazu tragen neben Knowles und Skaggs die Geschwister Duff und Lucky Polling bei: Er ein Veteran des Mexico-Krieges, der von seinen siegreichen Truppen desertierte und zu den Gegnern überlief. Seine Schwester Polly eine Prostituierte, die von einer Karriere als Schauspielerin träumt. Ben verliebt sich bei seiner Ankunft in America in Polly und bald zieht es das ganze Quartett in den Westen - verfolgt von einem wahnsinnigen Korsen, der sich für den Sohn Napoleons hält und Ben für den Tod seines Bruders während der Revolutionstage in Paris verantwortlich macht.
Dieser Roman ist ein Meisterwerk für alle Zwecke: Er befriedigt die intellektuelle Neugier ebenso wie das Bedürfnis nach Spannung und romantischer Liebe. Und das – kunstvoll ins Deutsche übersetzt von Birgit Moosmüller - auf höchstem erzählerischen Niveau.
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Dienstag, 21. Dezember 2010
Donnerstag, 5. August 2010
Brauen in Zeiten des Grauens
Der dritte Teil von Günther Thömmes Bierzauberer-Trilogie beginnt in den Anfangsjahren des 30-jährigen Krieges in der Stadt Magdeburg. Hauptfigur ist der junge Braumeister Cord Heinrich Knoll, der trotz der immer schlechter werdenden Versorgungslage seinen Ehrgeiz darin legt, das beste Bier der Stadt zu brauen. Im Mai 1631 rücken die kaiserlichen Truppen auf die Hochburg des Protestantismus vor und nachdem die Hilfe der schwedischen Verbündeten aus bleibt, ereignen sich Tage des Grauens: die siegreichen Katholischen fallen über die Stadt her und beginnen eine Orgie von Morden, Vergewaltigungen und Plünderungen, die später den Ausdruck "Magdeburgisieren" prägen. Dabei verliert Knoll seine Frau und drei Töchter. Ihm gelingt über einen geheimen Stollen mit seinem Sohn Ulrich die Flucht. Unterwegs schließt sich ihm die Soldatenfrau Magdalena an, deren Mann als Söldner der Kaiserlichen auf der Gegenseite kämpfte, aber ebenfalls beim Kampf um Magdeburg starb.
Thömmes erzählt geradlinig und schwungvoll. Der lyrische Schnörksel und eine übertriebene Charakterisierung der Gedankenwelt seiner Charaktere ist seine Sache nicht. Dennoch erschafft er keine Schablonen sondern wirkliche Menschen, die sich entwickeln und auch zu überraschen vermögen. Die Handlung treibt Thömmes dabei stets flott voran, verfängt sich nicht in Nebenlinien oder allzu belehrenden Instruktionen zur Historie des Bierbrauens. Und dennoch erfährt man nebenher eine Menge über den Zeitgeist jener Epoche, die Lebensweise und die Umgangsformen. Man lernt quasi nebenher auf höchst unterhaltsame Art und Weise Geschichte.
Wie Cord und Magdalena einen Neuanfang versuchen - wie sie von elenden Kriegsflüchtlingen zu angesehenen Bürgern der traditionsreichen Bierstadt Bitburg (Thömmes Geburtsstadt) werden - und dann von feindlich gesinnten Fanatikern gnadenlos zerstört und gedemütigt werden, so dass der geradlinige Braumeister darüber sogar zum Mörder wird - all das ist hervorragend erzählt und ein wahrer Lesegenuss.
Im richtigen Leben hat Thömmes mittlerweile seine Wanderjahre aufgegeben und sich mit seiner eigenen "Bierzauberei" in Brunn am Gebirge, nahe Wien, nieder gelassen. Dort braut der Bitburger nun seine obergärigen Spezialitäten: Biere, die einen ebenso würzigen und einzigartigen Charakter haben wie seine historischen Romanhelden.
Thömmes erzählt geradlinig und schwungvoll. Der lyrische Schnörksel und eine übertriebene Charakterisierung der Gedankenwelt seiner Charaktere ist seine Sache nicht. Dennoch erschafft er keine Schablonen sondern wirkliche Menschen, die sich entwickeln und auch zu überraschen vermögen. Die Handlung treibt Thömmes dabei stets flott voran, verfängt sich nicht in Nebenlinien oder allzu belehrenden Instruktionen zur Historie des Bierbrauens. Und dennoch erfährt man nebenher eine Menge über den Zeitgeist jener Epoche, die Lebensweise und die Umgangsformen. Man lernt quasi nebenher auf höchst unterhaltsame Art und Weise Geschichte.
Wie Cord und Magdalena einen Neuanfang versuchen - wie sie von elenden Kriegsflüchtlingen zu angesehenen Bürgern der traditionsreichen Bierstadt Bitburg (Thömmes Geburtsstadt) werden - und dann von feindlich gesinnten Fanatikern gnadenlos zerstört und gedemütigt werden, so dass der geradlinige Braumeister darüber sogar zum Mörder wird - all das ist hervorragend erzählt und ein wahrer Lesegenuss.
Im richtigen Leben hat Thömmes mittlerweile seine Wanderjahre aufgegeben und sich mit seiner eigenen "Bierzauberei" in Brunn am Gebirge, nahe Wien, nieder gelassen. Dort braut der Bitburger nun seine obergärigen Spezialitäten: Biere, die einen ebenso würzigen und einzigartigen Charakter haben wie seine historischen Romanhelden.
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